Am 20. September 2026 wird in Berlin gewählt. Im Straßenbild ist es seit Wochen unübersehbar: Laternen und Plätze sind vollgepflastert mit Wahlplakaten. Man sieht Gesichter für das Abgeordnetenhaus, für das Amt des Bezirksbürgermeisters oder des Regierenden Bürgermeisters.
Dazu noch allgemeine Wahlsprüche und am Ende ziemlich viele offene Fragen: Wen wähle ich eigentlich wohin und wen kann ich überhaupt in meinem Wahlbezirk wählen?
Weil viele es gar nicht auf dem Zettel haben, möchten wir euch hier einmal übersichtlich mit Blick auf Niederschönhausen erklären, was man eigentlich wählen kann und was auch die Besonderheit in unserem Stadtteil ist.
Insgesamt könnt ihr drei Kreuze machen: zwei für das Berliner Abgeordnetenhaus und eines für die Bezirksverordnetenversammlung Pankow.
Die Erststimme: Wer vertritt euren Wahlkreis direkt?
Mit der Erststimme wählt ihr eine konkrete Person aus eurem Wahlkreis. Berlin ist dafür in insgesamt 78 Wahlkreise aufgeteilt. Wer in einem Wahlkreis die meisten Erststimmen erhält, gewinnt das Direktmandat und zieht damit ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. Eine absolute Mehrheit von mehr als 50 Prozent ist dafür nicht nötig.
Für Niederschönhausen ist dabei eine Besonderheit wichtig: Der Ortsteil gehört nicht vollständig zu einem einzigen Wahlkreis, sondern ist auf Pankow 2 und Pankow 3 verteilt.
- Pankow 2 umfasst unter anderem Blankenfelde, Rosenthal, Wilhelmsruh und Niederschönhausen-Nord.
- Pankow 3 umfasst Pankow-Nord, Niederschönhausen-Süd und Französisch Buchholz-West.
Die Grenze läuft innerhalb Niederschönhausens unter anderem über beziehungsweise entlang von Hermann-Hesse-Straße, Dietzgenstraße, Beuthstraße, Charlottenstraße und Buchholzer Straße.
Deshalb können selbst Menschen, die nur wenige Straßen voneinander entfernt wohnen, unterschiedliche Direktkandidaten auf ihrem Stimmzettel haben.
Beispiel: Wer an der Dietzgenstraße auf Höhe Café Kubitza wohnt, hat einen anderen Direktkandidaten (Pankow 3), als jemand, der auf der anderen Straßenseite auf Höhe der Friedenskirche wohnt (Pankow 3).
Die genaue Karte für Pankow 2 findet ihr hier. Die genaue Karte für Pankow 3 findet ihr hier.
Die Zweitstimme: Welche Partei soll im Abgeordnetenhaus stark sein?
Mit der Zweitstimme stimmt ihr nicht für eine einzelne Person, sondern für die Liste einer Partei. Diese Stimme ist entscheidend dafür, wie stark die Parteien insgesamt im Berliner Abgeordnetenhaus vertreten sind.
Vereinfacht gesagt: Erhält eine Partei berlinweit 20 Prozent der maßgeblichen Zweitstimmen, soll sie auch ungefähr 20 Prozent der Sitze erhalten. Die gewonnenen Direktmandate werden bei dieser Sitzverteilung berücksichtigt.
Erst- und Zweitstimme müssen übrigens nicht derselben Partei gegeben werden. Man kann beispielsweise einen CDU-Direktkandidaten mit der Erststimme wählen und mit der Zweitstimme die SPD, die Grünen oder eine andere Partei.
Die BVV-Stimme: Wer bestimmt die Politik in Pankow?
Das dritte Kreuz betrifft die Bezirksverordnetenversammlung Pankow, kurz BVV. Hier gibt es nur eine Stimme, und gewählt wird eine Partei oder Wählergemeinschaft – keine einzelne Person.
- Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ist das politische Beschluss- und Kontrollgremium des Bezirks.
- Sie entscheidet über die politische Richtung in Pankow, beschließt den Bezirkshaushalt, befasst sich mit Themen wie Schulen, Straßen, Grünflächen oder Bebauung und wählt außerdem den Bezirksbürgermeister sowie die Bezirksstadträte.
Die BVV führt die Verwaltung aber nicht selbst. Für die konkrete Umsetzung sind das Bezirksamt, die Stadträte und die Fachämter zuständig. Auch über große Berliner Fragen wie Landesgesetze, Polizei oder die gesamte Verkehrspolitik entscheidet die BVV nicht – dafür sind Senat und Abgeordnetenhaus zuständig.
- Wenn ihr Wahlplakate für Bezirksbürgermeister seht: Die könnt ihr nicht direkt wählen, sondern die werden über die BVV gewählt.
Anders als bei der Erststimme fürs Abgeordnetenhaus gibt es bei der Wahl für die BVV keine Aufteilung Niederschönhausens in Pankow 2 und 3. Alle Wahlberechtigten im Bezirk Pankow stimmen über dieselben BVV-Listen ab.
Bezirk Pankow klingt erstmal klein, ist aber riesig, denn er umfasst auch Weißensee und ganz Prenzlauer Berg und hat über 420.000 Einwohner.
Zwei Wahlkreise in Niederschönhausen
Aktuell vertreten uns Oda Hassepaß (Grüne) und Lars Bocian (CDU) als Direktkandidaten für Pankow 3 und Pankow 2 im Abgeordnetenhaus. Sie gewannen die Wahlkreise bei der letzten Berlin-Wahl 2023. Beide treten also nicht gegeneinander, sondern in unterschiedlichen Wahlkreisen an.
- Bei der letzten Berlin-Wahl am 12. Februar 2023 gewann in Pankow 2 Lars Bocian von der CDU mit 31,4 Prozent das Direktmandat.
- In Pankow 3 gewann Oda Hassepaß (Grüne) mit 24,8 Prozent knapp vor Klaus Lederer (21,5 Prozent) von den Linken.
So wurde 2023 bei der Berlin-Wahl für die BVV gewählt:
- Grüne: 23,8 %
- CDU: 20,3 %
- Linke: 17,9 %
- SPD: 14,8 %
- AfD: 9,4 %
- FDP: 3,7 %
- Tierschutzpartei: 2,7 %
- Die PARTEI: 2,1 %
- Volt: 1,5 %
Vom Kräfteverhältnis in der BVV hängt ab, wer Bezirksbürgermeister wird und welche Bezirkstadträte gewählt werden. Weil die Grünen zuletzt die stärkste Kraft waren, stellten sie auch die Bezirksbürgermeisterin Cordelia Koch.
Long Story Short:
Wenn ihr die vielen Gesichter auf den Wahlplakaten seht, ist es also wichtig zu wissen:
- Ihr wählt euren Direktkandidaten für das Abgeordnetenhaus.
- Ihr wählt eine Partei für die Verteilung im Abgeordnetenhaus.
- Ihr wählt eine Partei für die Verteilung in der BVV.
Euren Bezirksbürgermeister wählt ihr nicht direkt, den wählt die BVV.
Direktkandidaten fürs Abgeordnetenhaus (derzeit Oda Hassepaß und Lars Bocian), sowie Bezirksbürgermeister (derzeit Cordelia Koch) sind zwei total verschiedene paar Schuhe. Dazu kommt noch der Regierende Bürgermeister für ganz Berlin, den ihr ebenfalls nicht direkt wählt.
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