Der geplante Neubau der Schönhauser-Allee-Brücke wird in den kommenden Jahren zu erheblichen Einschränkungen im Berliner Norden führen. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt auf eine schriftliche Anfrage des Abgeordneten Stephan Lenz hervor.
Besonders betroffen ist die Straßenbahnlinie M1, die während der Bauphasen im Bereich der Brücke unterbrochen werden muss. Nach aktuellem Planungsstand rechnet der Senat mit einer Unterbrechung von rund vier Jahren.
Die ersten vorbereitenden Arbeiten sollen im Oktober 2026 beginnen. Dann starten Bauleistungen der Berliner Verkehrsbetriebe zur Stütz- und Abfangkonstruktion des U-Bahnviadukts.
Anschließend folgen vorbereitende Arbeiten der Leitungsbetriebe. Der eigentliche Rückbau und Abriss der Schönhauser-Allee-Brücke soll nach derzeitigem Stand im Jahr 2028 beginnen. Voraussetzung dafür sind unter anderem die notwendigen Sperrpausen der Deutschen Bahn für den S-Bahn- und Fernbahnverkehr.
Mit der Fertigstellung der eigentlichen Brückenbauarbeiten wird ab 2030 gerechnet. Das Gesamtprojekt, einschließlich weiterer Arbeiten und abschließender Ausstattungsmaßnahmen, soll nach aktueller Planung bis 2032 dauern.
Für Pendlerinnen und Pendler aus Pankow und Niederschönhausen bedeutet das: Die Einschränkungen werden sich über mehrere Jahre ziehen.
Während der Bauzeit sollen wichtige Verkehrsbeziehungen möglichst aufrechterhalten werden. Für den Autoverkehr sind abschnittsweise angepasste Verkehrsführungen mit jeweils einem Fahrstreifen pro Richtung vorgesehen.
Auch Fuß- und Radverkehr sollen weiterhin beidseitig geführt werden, teils auf der Fahrbahn, teils im Nebenraum. Gleichzeitig macht der Senat deutlich, dass es je nach Bauphase zu Umleitungen, Einschränkungen und Sperrungen kommen wird.
Für die M1 sind abschnittsweise Straßenbahnführungen bis an den Baustellenbereich und ergänzende Schienenersatzverkehre geplant. Wie genau der Ersatzverkehr organisiert wird, steht allerdings noch nicht fest. Linienführung, Taktung und betriebliche Abläufe befinden sich weiterhin in Abstimmung. Klar ist aber bereits: Fahrgäste müssen mit zusätzlichen Umstiegen und längeren Reisezeiten rechnen.
Auch der S- und U-Bahnverkehr kann während der Bauzeit zeitweise betroffen sein. Der Senat spricht von notwendigen bauzeitlichen Sperrungen, kann aber noch keine genauen Angaben zu Zeitpunkt und Dauer machen.
Die Umsteigebeziehungen am Bahnhof Schönhauser Allee sollen durch provisorische Haltestellen, Ersatzverkehre und angepasste Wegeführungen erhalten bleiben. Eine möglichst barrierefreie Erreichbarkeit soll dabei berücksichtigt werden.
Die Kosten für das Gesamtprojekt werden inzwischen auf rund 50 Millionen Euro beziffert. Ursprünglich war von 34,5 Millionen Euro die Rede. Die Kostensteigerung erklärt der Senat vor allem mit der fortgeschrittenen Planung, eisenbahnspezifischen Anforderungen, zusätzlichen Bauleistungen sowie allgemeinen Baukostensteigerungen. Besonders genannt werden Anpassungen an Gleis- und Oberleitungsanlagen sowie Kabeltiefbauarbeiten.
Der Neubau gilt als besonders komplex, weil an der Schönhauser Allee mehrere Verkehrsebenen auf engem Raum zusammentreffen: S-Bahn, Fernbahn, U-Bahn, Straßenbahn, Autoverkehr sowie Fuß- und Radverkehr. Hinzu kommen zahlreiche Leitungen, angrenzende Wohn- und Geschäftshäuser sowie die Schönhauser Allee Arcaden.
Der Senat sieht deshalb weiterhin ein hohes Risiko für Verzögerungen und weitere Kostensteigerungen.
Für Anwohnerinnen und Anwohner sowie Gewerbetreibende soll es noch in diesem Jahr eine weitere Informationsveranstaltung geben. Die Erreichbarkeit der angrenzenden Gebäude und Geschäfte soll während der Bauzeit grundsätzlich erhalten bleiben. Konkrete Details zu Zugängen, Barrierefreiheit und möglichen Entschädigungen sollen im weiteren Planungsverlauf geklärt werden.

