12. September 2026 / Aktuell

Große Kiez-Umfrage: Das lieben und kritisieren die Menschen in Niederschönhausen

435 Menschen haben uns gesagt, was sie an Niederschönhausen lieben, was sie stört und welche Veränderungen sie sich für den Kiez wünschen.

Veröffentlicht am 12. September 2026 um 19:13 Uhr

Niederschönhausen ist ein beliebter Wohnort. Die große Mehrheit fühlt sich dem Kiez eng verbunden und würde ihn weiterempfehlen. Gleichzeitig sorgen sich viele Menschen um steigende Mieten, fehlende Angebote, den öffentlichen Nahverkehr und die Sauberkeit. Besonders auffällig: Nur eine kleine Minderheit fühlt sich mit ihren Alltagsthemen von der Berliner Politik ausreichend vertreten.

Das zeigt eine nicht repräsentative Umfrage der Niederschönhausen App, an der sich im Frühjahr 2026 insgesamt 435 Menschen beteiligt haben. Neben mehreren Fragen zum Ankreuzen konnten die Teilnehmenden ausführlich schildern, was sie am Kiez begeistert, was sie stört und was sie sofort verändern würden.

Fast 80 Prozent leben gerne in Niederschönhausen

Die grundsätzliche Zufriedenheit ist hoch: 27,9 Prozent der Befragten geben an, mit dem Leben in Niederschönhausen sehr zufrieden zu sein. Weitere 51,4 Prozent sind eher zufrieden. Zusammen ergibt das 79,3 Prozent.

16,5 Prozent antworteten mit „teils zufrieden“. Nur 4,2 Prozent sind eher oder sehr unzufrieden.

Noch deutlicher wird das positive Bild bei der Frage, ob die Teilnehmenden Niederschönhausen als Wohnort weiterempfehlen würden: 94,1 Prozent sagen Ja. Lediglich 5,9 Prozent würden davon abraten.

Auch die persönliche Bindung an den Ort ist ausgeprägt. 34 Prozent fühlen sich sehr stark, weitere 44,8 Prozent eher stark mit Niederschönhausen verbunden. Damit geben fast acht von zehn Befragten eine starke Verbindung zum Kiez an.

Der Schlosspark ist der emotionale Mittelpunkt des Kiezes

In den offenen Antworten zeigt sich, welche Orte für die Menschen besonders wichtig sind. Kein anderer wurde annähernd so häufig genannt wie der Schlosspark. Für viele ist er ein Grund, warum sie gerne in Niederschönhausen leben.

„Der Schlosspark begeistert mich immer wieder“, schreibt eine Person. Andere nennen die alten Bäume, die weitläufigen Grünflächen und die besondere Stimmung im Park. Auch der Bürgerpark, die Schönholzer Heide, der Brosepark und die Panke werden wiederholt positiv hervorgehoben.

Doch gerade beim Schlosspark liegen Begeisterung und Kritik eng beieinander. Bemängelt werden Müll, fehlende öffentliche Toiletten, der Zustand einzelner Wege und Bäume sowie Konflikte zwischen Spaziergängern und Radfahrern. 

Auch das Kino Blauer Stern und die umliegenden Angebote an der Hermann-Hesse-Straße werden als positive Beispiele genannt. „Kino Blauer Stern und Auszeit begeistern, ÖPNV nervt“, heißt es in einer Antwort.

Steigende Mieten gelten als größte Herausforderung

Bei der Frage nach den aktuell größten Herausforderungen konnten mehrere Antworten ausgewählt werden. Mit 57,5 Prozent liegen steigende Mieten und die Wohnraumsituation an erster Stelle.

Auf Platz zwei folgen fehlende Angebote aus Kultur, Gastronomie und Freizeit. Rund die Hälfte der Befragten sieht hier ein Problem. In den offenen Antworten wünschen sich viele mehr Cafés, Restaurants, kleinere Geschäfte, Freizeitmöglichkeiten und Treffpunkte.

Eine Person beschreibt Niederschönhausen als „ganz nett hier zum Wohnen, aber sonst arschlangweilig“. Andere formulieren es zurückhaltender, benennen aber denselben Mangel: Niederschönhausen sei ein guter Wohnort, besitze jedoch zu wenige Orte, an denen man sich treffen oder abends etwas unternehmen könne.

Mehrere Antworten verweisen zudem auf geschlossene Geschäfte, gastronomische Leerstände und fehlende Angebote für Jugendliche. Gleichzeitig werden bestehende Orte wie der Blaue Stern, das Auszeit und einzelne Cafés ausdrücklich gelobt.

Nahverkehr, Müll und Autoverkehr beschäftigen viele Menschen

Auch die Verkehrssituation wird häufig kritisiert. 45,2 Prozent sehen den öffentlichen Nahverkehr als eine der größten Herausforderungen. 44,5 Prozent nennen Staus und Autoverkehr.

In den freien Antworten geht es unter anderem um unzuverlässige Verbindungen, überfüllte Busse, den Takt der Straßenbahn und eine bessere Anbindung an die S-Bahn. Wiederholt wird außerdem der Wunsch nach sicheren Radwegen geäußert, beispielsweise an der Hermann-Hesse-Straße, der Grabbeallee und der Dietzgenstraße.

Andere Teilnehmende fordern verkehrsberuhigte Bereiche, mehr Tempo-30-Zonen, sichere Straßenquerungen und weniger zugeparkte Kreuzungen. Dabei treffen unterschiedliche Interessen aufeinander: Einige wünschen sich weniger Autos und weniger Parkplätze, andere klagen gerade über fehlende Parkmöglichkeiten.

Sauberkeit und Müll bezeichnen 44,8 Prozent als große Herausforderung. Die offenen Antworten verstärken diesen Eindruck. Genannt werden vermüllte Grünanlagen, überfüllte oder fehlende Mülleimer, illegal abgelagerter Abfall und Hundekot. Besonders häufig beziehen sich diese Beschwerden auf Parks, Spielplätze, den Bereich am Bahnhof Schönholz und einzelne Straßen und Plätze.

Für jeden Vierten hat sich der Alltag verschlechtert

67,5 Prozent der Befragten sagen, ihr Alltag in Niederschönhausen sei in den vergangenen zwei bis drei Jahren weitgehend gleich geblieben. 6,1 Prozent sehen eine positive Entwicklung.

Dagegen erklären 26,4 Prozent, ihr Alltag habe sich zum Negativen verändert. In den dazugehörigen Erläuterungen tauchen vor allem zunehmende Vermüllung, steigende Wohnkosten, mehr Verkehr, Baustellen und eine wachsende Verdichtung auf.

Eine Person schreibt: „Ich mochte immer das Kleinstadtgefühl. Durch den Zuzug der letzten Jahre hat sich das verändert. Es ist voller, lauter, schmutziger im Kiez.“

Diese Wahrnehmung zieht sich durch mehrere Antworten. Einige Teilnehmende fürchten, Niederschönhausen könne durch Neubauten und den Zuzug seinen bisherigen Charakter verlieren. Andere kritisieren weniger das Wachstum selbst als eine Infrastruktur, die ihrer Ansicht nach nicht schnell genug mitwächst. Sie verweisen auf Schulplätze, öffentliche Verkehrsmittel, Straßen, Radwege und soziale Angebote.

Die Antworten zeigen aber auch, dass diese Einschätzung nicht von allen geteilt wird. Für mehr als zwei Drittel hat sich der Alltag nicht grundsätzlich verändert. Die Sorge vor einem Verlust des bisherigen Kiezgefühls ist dennoch ein klar erkennbares Thema.

Große Distanz zur Berliner Politik

Das deutlichste negative Ergebnis betrifft die Berliner Politik. 58,9 Prozent fühlen sich in den Themen ihres Alltags eher nicht ausreichend vertreten. Weitere 24,9 Prozent antworten mit Nein. Zusammen fühlen sich damit 83,8 Prozent nicht oder eher nicht ausreichend vertreten. Nur 16,2 Prozent antworten mit Ja oder eher Ja.

Die Antworten zeigen, an welchen Stellen die Menschen das Gefühl haben, dass ihre Alltagssorgen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dazu zählen eine als unzureichend empfundene Verkehrsplanung, langsame Verwaltungsprozesse, fehlende Sauberkeit, die Entwicklung des Schlossparks sowie der Ausbau von Schulen und Infrastruktur.

Was die Menschen sofort verändern würden

Auf die Frage, was sie in Niederschönhausen sofort verändern würden, antworteten 281 Menschen. Viele Wünsche sind sehr konkret.

Genannt werden bessere und sichere Radwege, zuverlässigere Busse und Bahnen, mehr Sauberkeit, zusätzliche Mülleimer und öffentliche Toiletten. Hinzu kommen mehr Cafés und Restaurants, Treffpunkte für Jugendliche, bessere Spielplätze sowie mehr Schulplätze.

Andere wünschen sich weniger Durchgangsverkehr, sichere Überwege und eine bessere Kontrolle falsch geparkter Autos. Auch der Erhalt von Bäumen und Grünflächen spielt eine große Rolle.

Mehrere Wünsche beziehen sich direkt auf einzelne Orte: den Schlosspark, den Ossietzkyplatz, den Pastor-Niemöller-Platz, die Dietzgenstraße, die Hermann-Hesse-Straße und die Schönholzer Heide.

So unterschiedlich die Vorschläge sind, haben viele einen gemeinsamen Kern: Die Menschen möchten, dass Niederschönhausen seinen grünen und vergleichsweise ruhigen Charakter behält, gleichzeitig aber eine bessere Infrastruktur und mehr Angebote bekommt.

Die Menschen sind nicht unzufrieden, aber besorgt

Die allermeisten Teilnehmenden leben gerne in Niederschönhausen, fühlen sich mit dem Kiez verbunden und würden ihn anderen Menschen empfehlen.

Gerade aus dieser Verbundenheit entsteht jedoch Kritik. Viele möchten verhindern, dass Sauberkeit, Infrastruktur und Aufenthaltsqualität nachlassen. Sie wünschen sich, dass Politik und Verwaltung die Veränderungen im Kiez stärker begleiten und konkrete Probleme schneller lösen.

Niederschönhausen wird geliebt. Aber ein großer Teil der Menschen erwartet, dass mehr dafür getan wird, damit das auch in Zukunft so bleibt.

Hinweis zur Umfrage: An der Befragung der Niederschönhausen App beteiligten sich zwischen Ende März und dem 21. Mai 2026 insgesamt 435 Menschen. Je nach Frage lagen zwischen 414 und 430 Antworten vor. Die Teilnahme erfolgte freiwillig. Die Umfrage ist nicht repräsentativ und bildet vor allem die Einschätzungen der Menschen ab, die über die Kanäle der Niederschönhausen App erreicht wurden und sich an der Befragung beteiligt haben.

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