Die Ampelanlage an der Kreuzung Grabbeallee/Tschaikowskistraße in Niederschönhausen wurde zuletzt komplett neu gemacht. Seitdem gibt es an der Ampelanlage einen Knopf, der genau so gestaltet ist, wie die gelben Knöpfe an Fußgängerampeln.
Was anders ist: Der Knopf ist grau und als Symbol ist eine Straßenbahn darauf zu sehen. Ebenfalls anders: Der Knopf ist deutlich höher angebracht als ein Fußgängerknopf. Und: Es gibt ihn lediglich einmal an der gesamten Ampelanlage, nämlich in Fahrtrichtung Pankow.
Ich habe zuletzt auf dem Niederschönhausen-Kanal auf Instagram die Community gefragt, was dieser Knopf bedeuten könnte – niemand wusste es.
Eine Anfrage an die Senatsverwaltung für Verkehr und Mobilität bringt nun Aufklärung:
„Der Taster ist nur für die Straßenbahn relevant als Rückfallebene, falls die Anforderung an der Ampel über Funk nicht funktioniert (ehemals als Schlüsselschalter ausgeführt)", schreibt ein Sprecher auf Nachfrage.
Mit dem Knopf können Fußgänger also nicht die M1 anfordern. Überhaupt ist er für Fußgänger nicht relevant, ihr könnt ihn also ignorieren.
Busse und Straßenbahnen haben in Berlin an vielen Kreuzungen generell Vorrang. Möglich macht das ein technisches System, mit dem Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs die Schaltung von Ampeln beeinflussen können.
Wie funktioniert die automatische Grünschaltung?
An zahlreichen Ampeln können Busse und Bahnen per Funk ein Grünsignal anfordern. Rund 600 Meter vor der Kreuzung sendet das Fahrzeug eine erste Voranmeldung. Das Steuergerät der Lichtsignalanlage bereitet daraufhin mögliche Anpassungen der Schaltung vor.
Etwa 200 Meter vor der Haltlinie folgt die Hauptanmeldung. In diesem Moment entscheidet das System, ob die aktuelle Grünphase verlängert oder eine neue Grünphase vorgezogen wird, um dem Fahrzeug Vorrang zu gewähren.
Nach dem Passieren der Kreuzung meldet sich der Bus oder die Straßenbahn wieder ab. Die Ampel schaltet anschließend in den regulären Betrieb zurück.
Der Vorrang für die M1 in Niederschönhausen ist auch an der Kreuzung am Ossietzkyplatz zu beobachten: Wenn die Bahn kommt, haben die Autofahrer und Fußgänger von der Blankenburger Straße häufig eine doppelte Rot-Phase.
Wenn die M1 etwa keinen Vorrang hätte, würde sie auf der Dietzgenstraße ebenfalls im Stau stehen – der gesamte Fahrplan käme regelmäßig aus dem Takt.
An stark frequentierten Knotenpunkten kommen zusätzlich eigene Bus- und Bahnampeln zum Einsatz. Diese zeigen weiße Signale und gelten ausschließlich für den öffentlichen Verkehr - das ist auch in Niederschönhausen der Fall.
Die Vorrangschaltung ist für Straßenbahnen an nahezu allen Berliner Ampeln umgesetzt. Bei Bussen ist ein großer Teil der Anlagen entsprechend ausgerüstet. Anpassungen an bestehenden Anlagen sind regelmäßig erforderlich.

