Wenn ihr vom Bahnhof Pankow die Berliner Straße in Richtung Niederschönhausen fahrt, liegt auf der rechten Seite die alte Garbaty-Zigarettenfabrik, die bereits vor mehreren Jahren zu Wohnungen umgebaut wurde.
Das Grundstück wird zur Straße von einem Zaun getrennt, der in einem sehr schlechten Zustand ist: Das gesamte Eingangstor ist verrostet, die Zaunelemente ebenso. Teilweise sind ganze Stücke komplett entfernt (siehe Fotos).
Was viele nicht wissen: Diese Zaunanlage steht unter Denkmalschutz. Und die Instandsetzung des Zauns könnte so viel kosten, wie man für den Neubau eines (großzügigen) Einfamilienhauses ausgibt.
Das geht aus dem Bezirkshaushaltsplan Pankow 2026/26 hervor. Hier ist die Maßnahme unter der Bezeichnung „Denkmalgerechte Sanierung der Zaunanlage ehemalige Zigarettenfabrik Garbaty, Berliner Str. 123-125“ auf Seite 256 aufgeführt. Bei einer Fertigstellung 2027 könnten die Gesamtkosten baupreisindexbedingt demnach 826.216 Euro betragen.
Zaun steht unter Denkmalschutz
Der Zaun gilt als Teil eines historischen Ensembles. Dazu gehören die Gebäude der ehemaligen Garbaty-Zigarettenfabrik sowie eine benachbarte Villa.
Die Ursprünge reichen in die Zeit um 1906 zurück, als der Unternehmer Josef Garbáty-Rosenthal dort erste Fabrikgebäude errichten ließ. Wenige Jahre später wurde die Anlage erweitert und repräsentativ zur Berliner Straße hin geöffnet – inklusive der Einfriedung, die nun saniert werden soll.
„Die Zauneinfriedung mit Steinsockel inklusive Tor des unter Denkmalschutz gestellten Gesamtgeländes ist in einem sehr schlechten Erhaltungszustand und muss dringend saniert werden", heißt es im Haushaltplan. Für die Sanierung sei eine weitestgehende Demontage und Wiederaufbau des Bauwerks erforderlich.
826.000 Euro für die Sanierung eines Zauns
Sind über 800.000 Euro für die Sanierung eines Zaun in Zeiten knappen Kassen gerechtfertigt? In einer kleinen Anfrage in der BVV hat Jan Drewitz (Grüne) mehrere Fragen zur der möglichen Instandsetzung an das Bezirksamt gestellt.
Alternativen laut Bezirksamt keine Option
Laut Antwort des Bezirksamtes wurde eine günstigere Lösung bislang nicht geprüft. So habe man bislang weder die Kosten für eine Nachbildung des Zauns ermitteln lassen noch Alternativen konkret durchgerechnet.
Begründet wird das mit den Anforderungen des Denkmalschutzes: Ziel sei es, die originale Bausubstanz zu erhalten. Ein einfacher Ersatzzaun komme nur dann infrage, wenn die bestehende Anlage bautechnisch nicht mehr zu retten sei. Eine rein funktionale Lösung würde laut Antwort des Bezirksamts dem Ort nicht gerecht.
17.411 Euro für Untersuchungen
Für die Untersuchungen des bisherigen Zauns wurden bislang 17.411,68 Euro fällig. Laut Bezirksamt setzen sich die Kosten zusammen aus „restauratorischen Untersuchungen", die „Erfassung des Bauzustandes hinsichtlich statischer Belange" und „Architektenleistungen".
Wie die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zu diesem Projekt aussah (wurde im Dezember 2020 erstellt), konnte das Bezirksamt nicht beantworten: „Das Hochbauamt konnte aus Kapazitätsgründen hierzu leider keine Zuarbeit liefern", heißt es in der Antwort.
Umsetzung des Projekts derzeit offen
Ob die Zaunsanierung für über 800.000 Euro tatsächlich umgesetzt wird, ist offen. Derzeit ruht das Vorhaben. Hintergrund ist eine Haushaltssperre im Bezirk. Sollte die Maßnahme wieder freigegeben werden, könnte eine Ausschreibung frühestens im Juli 2026 erfolgen.

