Wer in Niederschönhausen wohnt, kennt das Gefühl: Man ist in Berlin – aber beim Thema „schnell in die Stadt“ hängt vieles am Umsteigen, Knotenpunkten und dem, was auf der Straße gerade los ist. Und dann taucht sie wieder auf, diese Frage: Kommt die U2 irgendwann weiter nach Norden – vielleicht sogar bis zum Ossietzkyplatz? Bevor wir uns das „ob“ und „wann“ anschauen, lohnt sich ein Blick zurück. Denn die Idee ist nicht neu. Im Gegenteil: Sie begleitet Pankow seit fast 100 Jahren.
Wohin geht's mit der U2? In drei Texten stellen wir die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Planungen vor. Heute: die Geschichte einer Idee.
1930: Die U2 kommt nach Pankow – und sollte eigentlich noch weiter fahren
Der heutige U2-Abschnitt nach Pankow ist historisch gesehen „jung“: Der Bahnhof Vinetastraße, damals Endbahnhof der U2, im Sommer 1930 in Betrieb – Pankow folgte erst 70 Jahre später. Unser nördlicher gelegenes Niederschönhausen sah damals – und noch für viele Jahrzehnte – ganz anders aus. Vieles, was wir jeden Tag sehen, gab es damals noch nicht.
Schon in den 1930ern war der Bahnhof Vinetastraße im Kopf vieler nicht das Ende der Linie, sondern eher ein Zwischenziel. In späteren Darstellungen zur U-Bahn-Geschichte wird beschrieben, dass eine Weiterführung Richtung Pankower Ortskern geplant war, aber nicht mehr zustande kam. Als Gründe werden vor allem die finanziellen und politischen Umbrüche jener Zeit genannt: Erst kam die Weltwirtschaftskrise, dann der Krieg.
„Ortskern?“ Wo hätte die Bahn enden sollen? Als Ortskern galt das Gebiet Breite Straße, dort, wo heute die Haltestelle „Pankow Kirche“ ist. Man kann das auch sehen: Konkret geht es um die Fläche zwischen Ikea und Fitnessstudio, Kaffee Kraft und dem Familienzentrum.
Und noch ein Detail, das zeigt, wie lange das Thema in der Luft hängt: Der Verlag der Gesellschaft für Verkehrspolitik und Eisenbahnwesen weist darauf hin, dass in einer (zum Jahr 2000 nachgedruckten) Veröffentlichung aus dem Jahr 1930 die spätere Verlängerung bis zum Bahnhof Pankow bereits „in greifbarer Aussicht“ stand – und sich die Grundidee der Planung über die Jahrzehnte kaum verändert habe.
1992: Nach der Wende kommt das Projekt zurück auf den Tisch
Nach dem Mauerfall und der Neuordnung vieler Infrastrukturpläne wurde die U2-Verlängerung wieder konkret diskutiert. Ein markanter Punkt ist ein Beschluss Anfang der 1990er Jahre.
Laut dem Fahrgastmagazin SIGNAL beschloss der Berliner Senat 1992, die U2 vom damaligen Endbahnhof Vinetastraße über Pankow Bahnhof bis Pankow Kirche zu verlängern. In dem Text wird auch eine Herausforderung beschrieben: die Unterfahrung der Bahnanlagen am S-Bahnhof Pankow, wenn dort ein wirklich guter Umstieg entstehen soll.
Schon damals war damit klar: Selbst ein paar Stationen mehr sind nicht einfach ein kurzer Tunnel, sondern ein Eingriff in einen hochkomplexen Bahnknoten. Das Kernargument war: Die Verlängerung der U2 biete keinen Mehrwert, da Fahrgäste auch an der Schönhauser Allee umsteigen könnten.
1997–2000: Ein Teil wird gebaut – aber nicht bis „Pankow Kirche“
Umgesetzt wurde dann der Abschnitt, den wir heute kennen: Die U2 wurde bis zum Bahnhof Pankow verlängert, ein Knotenpunkt mit U2, Tram, Bussen und S-Bahnen entstand. Die Anbindung ist also neu, erst seit dem Jahr 2000 fährt die U2 die gewohnte Strecke.
Damit war ein großer Schritt geschafft. Die nächste, oft genannte Station „Pankow Kirche“ blieb aus. Der historische Kern der Debatte ist seitdem: Wir haben den Anschluss an den Bahnhof – aber die U2 endet weiterhin nicht im Pankower Zentrum.
Warum die fehlende Station bis heute ein Thema ist
Dass die Haltestelle „Pankow Kirche“ immer wieder als nächster logischer Schritt auftaucht, liegt nicht nur an Nostalgie, sondern auch an Planungslogik. Im Nahverkehrsplan Berlin 2019–2023 ist die Maßnahme als „U-Bahn-Neubaustrecke S+U Pankow – Pankow Kirche (U2)“ aufgeführt – mit dem Hinweis „Realisierung offen“.
Dort stehen auch zwei Argumente, die man in der Debatte ständig wiederfindet:
Eine Verlängerung würde auf bestehenden Vorratsbauten aufbauen und bräuchte nur eine kurze Neubaustrecke.
Ein Vorteil wäre die Entzerrung der Verkehrsströme am S+U-Bahnhof Pankow, weil das Ortsteilzentrum dann direkt mit der U2 erreichbar wäre.
Und Niederschönhausen? Und unser Ossietzkyplatz?
Der Schritt vom Pankower Zentrum Richtung Niederschönhausen, zum Beispiel also zum Ossietzkyplatz an der Friedenskirche ist eine spätere Erweiterung der Idee. Sie wird tatsächlich bereits mitgeprüft. Wenn man einmal weiterbaut, stellt sich schnell die Frage: Warum dann nicht gleich so, die Bahn auch die nördlichen Kieze wirklich erreicht? Mehr als eine Idee ist die weitere Verlängerung derzeit aber nicht. Allerdings: Die Flächen sind da. Auch weiter nach Norden raus liegen strategisch günstige Grundstücke, die prinzipiell nutzbar sind.
Wichtig: Historisch und planerisch belegt ist erstmal die Achse bis Pankow Kirche und die Haltestelle Breite Straße – also dahin, wo Pankow sein Zentrum hat. Alles, was darüber hinausgeht, hängt an neuen Fragen: Trasse, Eingriffe, Kosten, Nutzen – und politischer Priorität.
Wohin geht's mit der U2? In drei Texten stellen wir die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Planungen vor.

