Sein Name begegnet uns in Niederschönhausen (und Pankow) gleich mehrfach: Es gibt den Ossietzkyplatz, die Ossietzkystraße und ein Denkmal, das an ihn erinnert. Auf dem Friedhof an der Buchholzer Straße befindet sich außerdem sein Ehrengrab. Dazu gibt es eine Gedenktafel kurz vor Französisch-Buchholz. Doch wer war eigentlich Carl von Ossietzky?
Er war Journalist, Demokrat und einer der bekanntesten deutschen Pazifisten. Ossietzky warnte früh vor dem Erstarken des Nationalsozialismus und machte die heimliche Aufrüstung Deutschlands öffentlich. Für seinen Mut zahlte er einen hohen Preis.
Eine wichtige Stimme in der Weimarer Republik
Ossietzky wurde am 3. Oktober 1889 in Hamburg geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er als Journalist und engagierte sich in der Friedensbewegung. Er wandte sich gegen Militarismus, politische Gewalt und die Missachtung demokratischer Grundsätze.
1927 übernahm er die Leitung der politischen Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“. Das Blatt gehörte zu den wichtigsten kritischen Stimmen der Weimarer Republik. Auch Kurt Tucholsky schrieb für die Zeitschrift.
1929 veröffentlichte die „Weltbühne“ einen Artikel über die geheime Aufrüstung der deutschen Luftwaffe. Obwohl Ossietzky den Beitrag nicht selbst geschrieben hatte, wurde er als verantwortlicher Redakteur angeklagt. 1931 verurteilte ihn das Reichsgericht wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu 18 Monaten Gefängnis.
Verfolgung durch die Nationalsozialisten
Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 wurde Ossietzky erneut festgenommen. Die Nationalsozialisten brachten ihn zunächst in das Konzentrationslager Sonnenburg und später in das KZ Esterwegen.
Dort musste der bereits gesundheitlich angeschlagene Journalist schwere körperliche Arbeit leisten und wurde misshandelt. Er erkrankte schwer an Tuberkulose. Aufgrund seines schlechten Zustands und der internationalen Aufmerksamkeit wurde er 1936 aus dem Konzentrationslager in ein Berliner Krankenhaus gebracht. Frei war er jedoch nicht: Die Gestapo überwachte ihn weiterhin.
Friedensnobelpreis für Carl von Ossietzky
Während Ossietzky in Haft saß, entstand im Ausland eine große Kampagne für seine Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis. 1936 erhielt er rückwirkend den Preis für das Jahr 1935.
Die Auszeichnung war zugleich ein internationales Zeichen gegen die nationalsozialistische Diktatur. Das NS-Regime verbot Ossietzky die Reise nach Oslo. Er konnte den Friedensnobelpreis daher nicht persönlich entgegennehmen.
Seine letzte Lebensstation war Nordend
Seine letzte Lebenszeit verbrachte Ossietzky im privaten Sanatorium Nordend an der damaligen Mittelstraße 6–8 (über dem Norddreieck an der Dietzgenstraße). Die Einrichtung besaß eine Abteilung für Tuberkulosekranke.
Dort starb Carl von Ossietzky am 4. Mai 1938 im Alter von 48 Jahren an Tuberkulose und den Folgen seiner KZ-Haft. Bis zu seinem Tod stand er unter polizeilicher Bewachung. An der Mittelstraße 6 erinnert heute eine Gedenktafel an seinen letzten Aufenthaltsort.
Ehrengrab und Denkmal im Berliner Norden
Carl von Ossietzky wurde auf dem Friedhof Pankow IV an der Buchholzer Straße beigesetzt. Die gemeinsame Grabstätte von Carl und Maud von Ossietzky wird heute als Ehrengrab des Landes Berlin erhalten.
Seit 1948 tragen auch die Ossietzkystraße und der frühere Friedensplatz seinen Namen. An der Ossietzkystraße 24 steht zudem eine zwei Meter hohe Bronzefigur des Bildhauers Klaus Wolf Simon. Das Denkmal wurde 1989 anlässlich von Ossietzkys 100. Geburtstag enthüllt.
Auf der Rückseite des Sockels ist ein Satz Ossietzkys zu lesen: „Von mir ist weiter nichts zu sagen.“
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