Von Isabell Prophet
Sobald die Dämmerung einsetzt, hört man es wieder über dem Brosepark: das heulende „Huu … hu-hu-huu“ des Waldkauz-Männchens. Oft antwortet das Weibchen mit einem scharfen „kuwitt“ – manchmal entsteht ein richtiges Duett.
Am besten hörst du ihn an windstillen Abenden zwischen Dämmerung und Mitternacht; der Gedanke an den heimischen Vogel hilft so manchem Kind (und Erwachsenen) beim Einschlafen.
Die erste Rufphase startet meist im Herbst; besonders lebhaft wird es im Spätwinter, also von Januar bis März. Dann erreicht die Revier- und Paarungszeit ihren Höhepunkt. Der leise Gang in den Brose-Park kann sich lohnen. Der Waldkauz wird zwar oft nur als Schatten sichtbar, wenn er losfliegt. Doch der Ruf ist dann natürlich besonders gut zu hören.
Porträt eines Nachbarn
Was es über den Waldkauz zu wissen gibt:
Aussehen: Der Waldkauz ist eine kompakte Eule mit rundem Kopf ohne Federohren, dunklen Knopfaugen und rindenfarbener Tarnung, etwa 40 cm groß. Die Weibchen sind meist etwas schwerer als Männchen.
Lebensraum & Bedürfnisse: Waldkäuze brauchen Struktur: alte Laubbäume mit Höhlen, Spechthöhlen, Astgabeln und dichtes Geäst. In Städten nutzen sie Friedhöfe, große Gärten und Parks mit Altbäumen und nehmen geräumige Nistkästen an.
Ernährung: Vor allem Kleinsäuger (Mäuse, Wühlmäuse), dazu Kleinvögel, größere Insekten, Regenwürmer sowie je nach Angebot Amphibien. Gejagt wird vom Ansitz aus; der Flug ist nahezu lautlos.
Rolle im Ökosystem: Waldkäuze dämpfen Mäuse-Populationsspitzen. Das ist gut für junge Bäume, Beete und Rasenflächen. Ihre Gewölle (unverdaute Fell-/Knochenreste) liefern Nährstoffe für Bodenorganismen und verraten Forschenden, welche Kleinsäuger im Park leben. Ihr Vorkommen zeigt: Es gibt wertvolle Strukturen wie Altbäume und Totholz. Sie sind also ein Zeichen dafür, dass in unseren Parks ein paar Dinge richtig gut laufen.
Stadtwildnis Berlin: Wo der Waldkauz zu Hause ist
Der Waldkauz gehört zu den häufigsten Eulen der Stadt. Besonders die Randlagen mit größeren Waldflächen sind gut besetzt, aber auch innerstädtische Parks mit Altbaumbestand – wie der Brosepark – bieten passende Reviere.
Bürgerbeobachtungen und Nistkästen in Vereinen, Schulen und Kleingärten helfen, Vorkommen zu dokumentieren und zu fördern. Hinweis: Wo kleine Eulenarten (zum Beispiel Steinkauz oder Sperlingskauz) vorkommen, sollten keine Waldkauz-Kästen hängen. Der größere Nachbar wäre dort Konkurrent oder Prädator, er würde die Kleinen also vielleicht jagen oder in Konkurrenz um die Nahrung stehen.
Im Takt der Jahreszeiten: Der Kauz-Kalender
Als Standvogel bleibt der Waldkauz ganzjährig in seinem Revier im Brosepark, also auch im Winter.
Herbst (Oktober & November): Die Reviere werden hörbar – erste Balzrufe, Revierabgrenzung.
Winter (Dezember bis Februar): Hochphase der Paarungszeit; in Städten beginnt die Brut oft früh.
Frühjahr (Februar bis April): Eiablage und Brut in Höhlen/Nistkästen; das Weibchen brütet, das Männchen versorgt.
Frühling und Frühsommer (April bis Juni): Junge „ästeln“ – sie verlassen die Höhle, bevor sie fliegen können, sitzen in Bäumen oder nah am Boden und werden weiter gefüttert.
Sommer (Juli bis September): Die Familien lösen sich auf; Jungkäuze suchen eigene Gebiete.
Und dann, ihr wisst schon: Die Jahresuhr steht niemals still.
Recht & Rückzugsorte: So ist der Waldkauz geschützt
Alle wildlebenden Vogelarten sind geschützt. Das bedeutet: Stört sie nicht an ihren Brutplätzen, beschädigt Nester oder Eier nicht. Und auch wenn es spannend wäre: Verfolgt die Vögel nicht.
In Parks sind Altbäume, Höhlen und Totholz die „Wohnungsfrage“. Erhalten wir sie, dann schützen wir auch die Eulen. Giftköder und Rodentizide gefährden Eulen indirekt über vergiftete Beutetiere und sollten im Umfeld von Grünanlagen konsequent vermieden werden. Wer aktiv helfen will, kann mit Fachstellen oder Naturschutzgruppen Nistkästen aufhängen und Beobachtungen an Citizen-Science-Projekte melden. Auf eigene Faust ist das aber keine gute Idee: Auch das Ökosystem Park ist komplex. Fachleute haben den Überblick – und freuen sich über Leute aus der Nachbarschaft, die mit anpacken wollen.
Rücksicht im Revier: So verhalten wir uns richtig
Abstand halten: Suche keine Brutbäume oder Höhlen auf. Leuchte sie nicht an und spiele keine Vogelstimmen ab. Ja, es ist spannend! Doch beides stresst die Tiere und kann in der Brutzeit sogar zu Brutabbrüchen führen. Dann werden die Nester verlassen und die Eier oder Jungvögel haben keine Chance mehr.
Hunde anleinen (Februar bis Juni): Leine deinen Hund in der Brut- und Aufzuchtzeit an. Bleib auf den Wegen, damit bodennahe Ästlinge nicht aufgescheucht werden.
Ästlinge sitzen lassen: Lass Jungkäuze sitzen, auch wenn sie „verloren“ wirken; die Altvögel füttern sie weiter. Greife nur ein, wenn unmittelbare Gefahr besteht (z. B. Straße oder freilaufender Hund), und setze den Jungvogel dann wenige Meter ins dichte Gebüsch.
Keine Gifte: Verzichte im Umfeld von Grünflächen auf Rodentizide. Die Wirkstoffe gelangen über vergiftete Beutetiere in die Nahrungskette und können Eulen töten.
Lebensraum pflegen: Erhalte alte Bäume und totholzreiche Bereiche. Fördere Hecken und andere strukturreiche Ecken, denn sie liefern Höhlen, Deckung und Jagdwarten.
Mitmachen: Notiere Beobachtungen und teile sie mit lokalen Naturschutzgruppen oder Citizen-Science-Projekten. Bringe Nistkästen nur nach Beratung an – und nicht in Gebieten, in denen kleinere Eulenarten vorkommen.

