8. November 2025 / Wohnen

260 Wohnungen auf Friedhofs-Waldstück an der Dietzgenstraße geplant

Wenige Meter nördlich von Niederschönhausen steht ein großes Bauprojekt an. Anwohner haben nun Bedenken geäußert.

Veröffentlicht am 8. November 2025 um 16:17 Uhr

Der Nordend-Friedhof an der Dietzgenstraße gehört offiziell nicht mehr zu Niederschönhausen (die Grenze zu Rosenthal verläuft hinter der Aufteilung Schönhauser Str./Dietzgenstr.), trotzdem hat es Auswirkungen auf unseren Kiez, was hier passiert. Schließlich ist die Dietzgenstraße eine der wichtigsten Verkehrsadern in Niederschönhausen. 

Hinter der Straße 52a ist die städtische Wohnbebauung eigentlich größtenteils vorbei. Es folgen auf der östlichen Seite nur noch vereinzelt Häuser und anschließend Kleingärten. Das soll sich künftig ändern.

Entlang der Straße sollen auf dem Waldstück des Evangelischen Friedhofs Nordend 260 neue Wohnungen hochgezogen werden, davon 30 Prozent geförderter Wohnraum. In dem Quartier werden also geschätzt 500-700 Menschen einziehen. Aktuell wird für das Projekt ein Bebauungsplan entwickelt. 

Dazu gab es im Oktober 2025 eine Info-Veranstaltung auf dem Friedhofsgelände. Dabei wurden Anwohnern die Hintergründe der Anlage erläutert. Zahlreiche Vertreter des Bezirksamts Pankow bezogen an dem Abend Stellung. 

Wo künftig Wohnblöcke stehen sollen, ist aktuell ein Waldstück, mit einem vergleichsweise jungen Baumbestand. Anfang des 19. Jahrhunderts war hier eine Gärtnerei. Hier sind auf einem Teil des Gebiets Kompostierungsflächen und ein Steinmetzbetrieb. Im hinteren Bereich befinden sich außerdem noch zwei Wohnhäuser mit Garagen, die Mitte des 20. Jahrunderts gebaut wurden. Wo gebaut werden soll, befinden sich keine geschützten Biotopbereiche.

Welches Stück an der Dietzgenstraße wird bebaut?

Konkret soll der vordere Teil direkt an der Straße bebaut werden, den der Evangelische Friedhofsverband in Erbpacht abgibt (siehe Grafik). Ziel ist es zunächst, einen Bebauungsplans (3-85) aufzustellen. 

Wie soll das Gelände bebaut werden?

Derzeit geht man von einer „Riegelvariante" aus. Die sieht eine „straßenbegleitende Wohnbebauung an der Dietzgenstraße" vor. Im Bereich der ehemaligen Zugänge zu den Friedhöfen gibt es platzartige Aufweitungen.

In den entstehenden Höfen sind ein, maximal zwei weitere Gebäude geplant. „Für die Wohnbebauung werden vier Vollgeschosse zuzüglich eines Staffelgeschoss als städtebaulich verträglich angesehen", heißt es in der Begründung zum Vorentwurf des Bebauungsplans.

Doch wie viel Nachverdichtung verträgt ein Bezirk?

Pankow hat bereits seit gerumer Zeit den Klimanotstand ausgerufen. Berlin möchte 1 Million neue Bäume pflanzen. Gleichzeitig werden für dieses Projekte viele Bäume abgeholzt. 

Vertreter des Bezirksamtes versuchten auf der Veranstaltung den Interessenskonflikt zwischen Nachverdichtung und Klimaschutz zu erklären: Zum einen müsse die Stadt mehr fürs Klima tun. Zum anderen besteht jedoch ein enormer Bedarf an Wohnraum. 

M1 und M50 sollen sich in Französisch Buchholz treffen

Sorgen äußerten mehrere Anwohner bei der Info-Veranstaltung auch über die Infrastruktur. Schon jetzt sind die großen Ausfallstraßen von Niederschönhausen zu den Stoßzeiten überlastet. 

Im Februar dieses Jahres hat der Senat die Fortführung der Planung für die Verlängerung der M1 beschlossen. M1 und M50 sollen bis 2030 zusammengeführt werden. Das heißt, die M1 wird dann weiter bis nach Französisch-Buchholz führen. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund der Elisabeth-Aue. 

Doch kann die Verlängerung der M1 die Verkehrsprobleme überhaupt lösen? Schon jetzt ist die Tram im Morgenverkehr bereits an der Hermann-Hesse-Straße gut gefüllt. 

Warum gibt der Evangelische Friedhofsverband ein Stück seiner Fläche ab?

Der Friedhofsverband ist auf die Einnahmen angewiesen. Die Zahl der Bestattungen geht stetig zurück. Im die vorhandenen Friedhofsflächen wirtschaftlich betreiben zu können, muss der Friedhofsverband neue Einnahmequellen erschließen. Eine davon ist die Erbpachtvariante. 

Wie ist der Zeitplan für das Projekt?

Zum Bebauungsplan konnten bis Anfang November Stellungnahmen abgegeben werden. Laut derzeitiger Planung soll der Babauungsplan bis 2028 aufgestellt werden. Ein Baubeginn könnte ab 2029 erfolgen. Bauherr der Wohnungen soll die Gesobau sein.

Du hast Hinweise oder Ergänzungen zum Thema? Schreib mir eine E-Mail an: post@niederschoenhausen-app.de

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