26. August 2026 / Wohnen

Neue Wohnquartiere in Pankow: Bezirksbürgermeisterin warnt vor „Wohnsilos" und „Schlafburgen"

Neue Wohnungen allein reichten nicht aus, um lebenswerte Stadtteile zu schaffen

Elisabeth Aue
Veröffentlicht am 26. August 2026 um 10:20 Uhr

In Pankow sollen in den kommenden Jahren neue Stadtquartiere mit insgesamt rund 26.000 Wohnungen entstehen – viele davon in Pankow, auch mit direkten Auswirkungen aus Niederschönhausen, was Verkehr und Belastung angeht.

Zu den größten Vorhaben gehören der Blankenburger Süden mit rund 8.600 Wohnungen, die Elisabeth-Aue mit bis zu 5.000 Wohnungen und das Quartier Buch – Am Sandhaus mit etwa 2.700 Wohnungen. Hinzu kommen unter anderem Planungen an der Alten Schäferei in Französisch Buchholz, an der Michelangelostraße und am ehemaligen Rangierbahnhof Pankow.

Bürgermeisterin warnt vor „Wohnsilos und Schlafburgen“

Angesichts dieser Dimension schlägt Bezirksbürgermeisterin Cordelia Koch Alarm. Neue Wohnungen allein reichten nicht aus, um lebenswerte Stadtteile zu schaffen.

„Es gilt, Stadt zu bauen, ein Stück neues Pankow und nicht Wohnsilos oder Schlafburgen wie teils in früheren Jahrzehnten geschehen“, erklärt Koch. Ihre Sorge sei, dass die soziale Infrastruktur bislang nur unzureichend geplant und finanziert werde, wird Koch in einer Mitteilung des Bezirksamts Pankow zitiert.

In den Quartieren dürfen laut Koch nicht nur Wohnungen, Straßen und Haltestellen entstehen. Benötigt würden auch begrünte Stadtplätze, Geschäfte, Gastronomie, Kulturangebote sowie Jugend- und Familienzentren. Davon sollen sowohl die Menschen profitieren, die neu nach Pankow ziehen, als auch die bereits in den angrenzenden Wohngebieten lebende Bevölkerung.

Finanzierung für Schulen und soziale Einrichtungen fehlt

Der Bezirk habe nach Angaben Kochs bereits ein Konzept zur sozialen Infrastruktur beschlossen, ämterübergreifende Strukturen geschaffen und fachliche Planungsgrundlagen erarbeitet. Bei der Umsetzung stoße Pankow jedoch an Grenzen.

„Der Senat bleibt zwingende Zusagen schuldig“, kritisiert die Bezirksbürgermeisterin. Ohne eine verbindliche Klärung der Finanzierung, der Zuständigkeiten und des zusätzlichen Personalbedarfs drohten Verzögerungen und deutliche Qualitätsverluste in den neuen Quartieren.

Dabei geht es nicht allein um den Bau von Schulen und Kindertagesstätten. Auch Bibliotheken, Volkshochschulen, Einrichtungen für Jugendliche und Senioren, Kulturorte sowie Räume für Vereine und andere Initiativen müssten frühzeitig berücksichtigt werden. Zudem muss nicht nur der Bau, sondern auch der spätere Betrieb dieser Einrichtungen finanziert werden.

Berliner Bezirke erhöhen den Druck auf den Senat

Die Initiative aus Pankow wurde nun vom Rat der Bürgermeister aufgegriffen. Das Gremium, in dem die zwölf Berliner Bezirke vertreten sind, fordert vom Senat ein ressortübergreifendes Projektmanagement für die Neuen Stadtquartiere.

Bislang arbeiten mehrere Stellen parallel an den Vorhaben, darunter die Wohnungsbauleitstelle, die Taskforce Neue Stadtquartiere und eine Koordinierungsstelle bei der Senatskanzlei. Nach Einschätzung der Bezirke ist die Zusammenarbeit jedoch nicht ausreichend organisiert. Die Folgen seien Abstimmungsprobleme, Verzögerungen, Finanzierungslücken und fehlende Bestandteile in den Planungen.

Künftig soll deshalb verbindlich geregelt werden, wie Senatsverwaltungen und Bezirke zusammenarbeiten. Außerdem verlangen die Bezirke Planungssicherheit für den Bau und Betrieb der sozialen Infrastruktur sowie zusätzliches Personal für die zuständigen Ämter.

Pankow begleitet viele Großprojekte gleichzeitig

Für Pankow ist die Frage besonders dringlich. Der Bezirk muss mehrere große Quartiersentwicklungen parallel begleiten, während gleichzeitig bereits bestehende Ortsteile wachsen und zusätzliche Schulen, Kitas sowie Verkehrsangebote benötigen.

Allein im Blankenburger Süden ist ein neuer Stadtteil mit rund 8.600 Wohnungen vorgesehen. Das Quartier soll durch eine Verlängerung der Straßenbahnlinie M2 angebunden werden. Auf der Elisabeth-Aue sind bis zu 5.000 Wohnungen geplant. Die M1, die durch Niederschönhausen geht, soll dafür verlängert werden.

In Buch soll rund um die Straße Am Sandhaus ein autoarmes Quartier mit etwa 2.700 Wohnungen, Kindertagesstätten und einer neuen Grundschule entstehen.

Berlin benötigt nach dem Stadtentwicklungsplan Wohnen 2040 zwischen 2022 und 2040 insgesamt rund 222.000 neue Wohnungen. Weitere Flächen für etwa 50.000 Wohnungen sollen vorsorglich gesichert werden. Nach Auffassung der Bezirke kann dieser Wohnungsbau jedoch nur gelingen, wenn gleichzeitig vollständige und lebenswerte Stadtteile entstehen.

„Der Senat ist hier in der Pflicht, für die gesamte Stadt eine Lösung vorzulegen“, fordert Koch. Das gelte unabhängig davon, wie die Mehrheiten nach der nächsten Berliner Wahl aussehen.

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